Corona und das Konsumverhalten: Ein Gespräch mit Dirk Reinsberg

Das Jahr 2020 war ein schwieriges Jahr für die Getränke-Branche. Corona hat nicht nur unser aller Leben, sondern auch die Absatzmärkte von Getränken drastisch beeinflusst. Wie sehr sich das Konsumverhalten der Deutschen verändert hat, besprechen wir mit Dirk Reinsberg, Vorstand des Bundesverbands des Deutschen Getränkefachgroßhandels e.V.

Das Jahr 2020 war ein besonderes Jahr, in vielerlei Hinsicht. Die ganze Welt steckt in einer Pandemie rund um das Virus Covid-19. Ein konsequenter Lockdown innerhalb Deutschlands von Mitte März bis ca. Ende Juni brachte die Wirtschaft zeitweise nahezu zum Erliegen. Allerdings konnte man damit auch die Ausbreitung des Virus drastisch eindämmen. Jetzt starten die Wintermonate und die Lage spitzt sich wieder zu. Ganz besonders getroffen hat die Krise die Gastronomie. Diese war innerhalb Deutschlands über Wochen ganz geschlossen. Das gesamte Event- und Festgeschäft kam vollständig zum Erliegen. Deshalb: Wer auswärts nicht mehr konsumieren darf, ändert sein Verhalten. Corona und das Konsumverhalten: Ein Gespräch mit Dirk Reinsberg, geschäftsführender Vorstand des Bundesverbands des Deutschen Getränkefachgroßhandels e.V., gewährt Einblicke in die Hintergründe des schwierigen Corona-Jahres. Wir haben mit ihm gesprochen:

Corona und das Konsumverhalten: Was hat sich 2020 alles verändert?

Lieber Herr Reinsberg, als Vorstand des Bundesverbands des Deutschen Getränkefachgroßhandels betreuen Sie 500 Mitglieder, die für ca. 80 Prozent des 23 Milliarden Euro schweren jährlichen Branchenumsatzes stehen. Sie haben einen breiten Überblick über die Getränke-Branche. Wie können Sie die Veränderungen 2020 beschreiben?

Dirk Reinsberg: Das Jahr 2020 war mit einem harten Einbruch in unserer Branche verbunden. Betriebe, die im Geschäftsfeld der Gastronomie und des Fest- und Eventgeschäftes tätig sind haben mit herben Umsatzrückgängen zu kämpfen. Der Event- und Festbetrieb ist bis zum heutigen Tag gänzlich eingebrochen. Wenn man zusammenrechnet, was allein in diesem Bereich sowie z. B. in den Fußballstadien vor Corona an Getränken umgesetzt wurde, dann sind das für Hersteller, Händler und Betreiber existenzgefährdende Verluste. Die Gastronomie war Gottseidank nur einige Wochen ganz zu.

Allerdings hat sich hier auch das Ausgehverhalten der Menschen verändert. Man geht jetzt eher schick weg, kombiniert das mit einem guten Essen und Getränke sind vielmehr ein schönes Beiwerk. Es sind 2020 deutlich weniger Getränke im Außer-Haus-Markt konsumiert worden. Die ganzen Kneipen, Bars und Clubs, die in erster Linie auf den Verkauf von Getränken setzen, machten und machen kaum Umsatz. Deshalb ist natürlich auch beim Getränkegroßhandel in diesen Bereichen der Absatz stark eingebrochen.

Da sich die Menschen viele Wochen lang nicht in Wirtshäusern, Bars und Kneipen treffen konnten, haben sie ihr Bier zuhause konsumiert. Der Absatz beim LEH und den klassischen Getränke-Abholmärkten ist 2020 dadurch gestiegen. So hatte auch das Fünf-Liter-Fass großen Zuspruch, denn gerade gemeinsam mit Freunden genießt man eben gerne ein frisch gezapftes Bier. Ich muss aber ganz klar betonen, dass das Umsatz-Wachstum im GAM und LEH nicht die Einbrüche im Außer-Haus-Markt auch nur annähernd kompensieren konnten. Für unsere Branche war und ist das Jahr 2020 ein sehr problematisches Jahr!

Corona und das Konsumverhalten: Das MiniKEG – ein guter Umsatzbringer!

Wie sehen Sie das Partyfass im Gesamtumsatz-Szenario 2020? Welche Vorteile bringt es beim LEH?

Dirk Reinsberg: Das Partyfass ist sicherlich ein echter Umsatzbringer 2020 gewesen, weil es ein ganz bestimmtes Konsumerlebnis verspricht. Es steht für Geselligkeit und ein Miteinander unter Familien und Freunden. Das 5-Liter-Fass ist ein ganz spezielles Gebinde, das sich auch gut im Getränkemarkt inszenieren lässt. Denn es ist genau dieses Storytelling, das man an die Kunden weitergeben kann. Schicke Displays und prominente Platzierungen rücken das Produkt dann noch besser in Szene.

Sehen Sie Nachteile beim Partyfass?

Dirk Reinsberg: Sicherlich stehe ich als Geschäftsführender Vorstand des BV GFGH überall wo möglich für Mehrweg-Gebinde. Das ist aus rein ökologischer Sicht ein Muss. Soweit Mehrweggebinde verfügbar sind, sollten diese auch genutzt werden. Das 5-Liter-Partyfass deckt jedoch im Konzert der unterschiedlichen Getränkeverpackungen eine Verpackungsgröße ab, in der Mehrweggebinde klassisch nicht angeboten werden. Ferner zeigen die Erfahrungen, dass Partyfässer meist zuhause oder bei Freunden konsumiert und in aller Regel somit auch ordnungsgemäß entsorgt werden.

Der BV-GFGH und HUBER Packaging

Wie sehen Sie die Zusammenarbeit mit HUBER Packaging?

Dirk Reinsberg: HUBER ist ja Förder-Mitglied unseres Verbandes und in dieser Funktion in stetigem Austausch mit uns. Ich habe die Zusammenarbeit bisher durchweg sehr positiv erlebt. HUBER begleitet unseren Verband, erarbeitet mit uns gemeinsam wichtige Daten zu aktuellen Marktentwicklungen und bestreitet gemeinsame Veranstaltungen. Wir begegnen uns stets auf Augenhöhe und haben vor einigen Jahren auch gemeinsame Kampagnen im Schulterschluss mit den Herstellern umgesetzt. Dafür wurden beispielsweise spezielle Displays aufgestellt, um in den Märkten das 5-Liter-Fass noch besser inszenieren zu können. Das Ganze war sehr erfolgreich und könnte durchaus einmal wiederholt werden. Dank Fördermitgliedern wie HUBER bleibt unsere Verband stets am Puls der Zeit und kann seinen Mitgliedern die aktuellsten Informationen vom Markt bieten.

Lieber Herr Reinsberg, wir bedanken uns für das Gespräch!

 

Bildquelle: BV GFGH